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Spitalseröffnung: Kein krankes Haus

Der Standard, 08.04.2019
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Das, was der Norden Wiens seit langem braucht, hat Floridsdorf nun bekommen. Ein hochmodernes architektonisch ansprechendes Spital

Es gibt Orte, an denen hält man sich nicht gern auf. Im Krankenhaus etwa. Dort verweilt man nur, wenn man gesundheitlich nicht auf der Höhe ist. Trotzdem kamen rund 22.000 Menschen zur Eröffnung jenes Gebäudes, dessen Name in der Vergangenheit fast synonym mit dem Wort Skandal verwendet wurde: das Krankenhaus Nord. Bauverzögerung, Kostenexplosion und Energiering gipfelten in einer Untersuchungskommission der Stadt, die nach Verantwortlichen für den Ärger rund um den Neubau noch immer sucht.

Für die Wiener sind die Skandale Nebensache. Das, was der Norden Wiens seit langem braucht, hat Floridsdorf nun bekommen. Ein hochmodernes architektonisch ansprechendes Spital, dessen Zimmer den unglücklichen Zustand, in dem sich die Patienten befinden, erträglicher machen. Wo Kranksein nicht heißt, im Schlafsaal gestapelt zu werden, sondern Privatsphäre beim Gesunden helfen soll. Ausgestattet mit neuester Technik ist es ein Ort, der Wien lange gefehlt hat. Ein zweites Großspital war dringend nötig.

Denn das einst modernste Wiener Spital, das AKH, verkommt langsam. 25 Jahre nach der vollständigen Inbetriebnahme des neuen AKHs ist der Skandal, der es zum teuersten Spitalsbau Europas gemacht hat, vergessen. Im Vergleich zum neuen Spital ist es heute eine Ruine, seine historischen Kliniken abbruchreif – ein Ort, an dem man sich gleich noch viel kränker fühlt. (Oona Kroisleitner, 8.4.2019)

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